EINE DOKUMENTATION
Ansicht der Bahnstation Gießen von der Straßenseite aus gesehen © Copyright 2000 - 2020 Burkhard Thiel Alle Rechte vorbehalten

Bau und Streckeneröffnung

Die Planung der Main-Weser-Bahn (MWB) oblag dem belgischen Ingenieur Frans Splingard und seinem Mitarbeiter Eduard Hacault. Die Bauarbeiten begannen am 6. August 1846. Der erste Zug erreichte von Kassel kommend Gießen am 25. August 1850. Der provisorische Bahnhof stand im Bereich Oswaldgarten (Stadtmitte). Am 28. August 1850 entstand die erste Lokstation der MWB mit Lokschuppen, Wagenwerkstatt mit Schmiede und Schlosserei. Das Provisorium wurde 1853/54 etwas südlicher durch einen neuen Bahnhof ersetzt.

Das Empfangsgebäude Gießen

1854 eröffnete auf dem heutigen Bahnhofsgelände das im Stil des romantischen Klassizismus gebaute Stationsgebäude aus rotem Buntsandstein. Es war für den zunehmenden Verkehr ausreichend dimensioniert und konnte bis zur Jahrhundertwende seine Funktion erfüllen. Das fünfgliedrige Gebäude bestand aus drei anderthalb-geschossigen Querhäusern und eingeschossigen Verbindungsflügeln. Sein Mittelrisalit mit den Eingängen hob sich von den beiden anderen Querhäusern ab. Im Gebäude gab es ein Fürstenzimmer. Gegenüber dem Bahnhof der Main-Weser-Bahn befanden sich deren Werkstattanlagen. Nördlich vom Empfangsgebäude lag der Güterbahnhof.

Weitere Streckeneröffnungen und Ausbauten

Die Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (CME) erreichte die Stadt am 12. Januar 1862 über ihre „Dillstrecke“. Die Strecke verlief kreuzungsfrei durch eine Unterführung der MWB Gleise zum Bahnhof. Sie endete an einer Drehscheibe am Stationsgebäude. Die CME eröffnete eine Betriebswerkstätte mit Lokschuppen für acht Lokomotiven auf dem Gebiet des späteren Bahnbetriebswerks. Der erste Zug der Nassauischen Eisenbahn fuhr am 10. Januar 1863 in den Bahnhof ein. Die Oberhessische Eisenbahn (OHE) eröffnete ihre „Vogelsbergbahn“ am 29. Dezember 1869. Sie wurde von Osten kommend in den Bahnhof eingeleitet, der dadurch zum Keilbahnhof wurde. Die Werkstatt der OHE befand sich 1200 Meter östlich des Bahnhofs. Bedingt durch die drei Bahnhofsteile wurde die Verkehrssituation zunehmend schwieriger. Ein Gesetz von 4. Februar 1889 regelte die Umbauarbeiten. 1896 wurde der 18-ständige Ringlokschuppen 1 mit vorgelagerter Drehscheibe in Betrieb genommen. 1900 ist der 22-ständige Ringlokschuppen 2 mit zwanzig Meter Drehscheibe fertiggestellt worden.

Das zweite Empfangsgebäude

Zwischen 1903 bis 1909 wurde ein neues Empfangsgebäude gebaut und das alte sukzessive abgerissen. Für die Planung und Bauaufsicht war der Baurat Ludwig Hofmann verantwortlich. Die einzelnen Baukörper aus rotem Sandstein im romantischen spätklassizistischen Stil waren asymmetrisch angeordnet. Ein auffälliger Kuppelbau diente als Haupteingang. Der dreißig Meter hohe Uhrenturm markierte den Bahnhof. Die gusseisernen Säulen der Bahnsteigdächer stammen vom Bahnhof aus 1854. Das Gebäude ist in drei Etappen gebaut worden: 1906 eröffnete das Hauptgebäude mit Schalterhalle, Fahrkartenausgabe, Gepäckabfertigung, Wartesäle, Speisesaal und Küchen. 1907 baute man einen Verbindungsgang zu einem kleineren Dienstgebäude für die Strecken in Richtung Gelnhausen und Fulda. 1909 entstand der Gebäudeteil mit Warteräumen für Fürstliche Herrschaften und die Wohnung des Bahnhofsvorstehers. Die Fürstenräume wurden 1944 zerstört. Die Werkstätten zwischen den Ringlokschuppen wurden erweitert. Im Süden sind noch Teile des ersten Gebäudes von 1854 erhalten geblieben. Sie dienten lange Zeit als Bahnhofsgaststätte.

Weitere Streckeneröffnungen und Ausbauten

1968 begannen umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten. Am 1. September 2003 schloss das Bahnbetriebswerk. 2008 führte die Deutsche Bahn AG Umbauarbeiten am Personenbahnhof durch, die am 21. Juli 2010 abgeschlossen wurden.

Was hat sich verändert, was ist geblieben

Das Empfangsgebäude ist im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut worden, hat aber seinen Charakter behalten. Es steht unter Denkmalschutz.
Bilder Gießen
Luftaufnahme
Bahnhof von 1854
Die Eisenbahn “kam” am 25. August 1850 nach Gießen. Also 15 Jahre nach der Eröffnung der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth 1835. Gießen hatte zu diesem Zeitpunkt 9.000 Einwohner (Ende 2018 waren es 88.546 Einwohner).
Bahnhof von 1854 Bahnstation Gießen Bahnstation Gießen Planung und Konzession Köln - Gießen Köln-Deutz Gießen Vogelsbergbahn Gießen Fulda Lahn-Kinzig-Bahn Gießen Gelnhausen Main-Weser-Bahn Kassel Hbf Frankfurt (Main) Hbf
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